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DOJO

 

 

Gibt es genaue Regeln für unsere Dojos?

Es gibt die Regeln von Meister Deshimaru, die normalerweise in jedem Dojo hängen müssen. Meister Deshimaru hat Regeln aufgestellt. Ich weiß nicht mehr genau, wie viele. Einige Regeln sind von dem Jû-Undo Shiki inspiriert, z.B. sagt er: „Im Dojo müsst ihr euch wie Milch und Honig harmonisieren.“ Das ist ungefähr der gleiche Ausdruck, den Dogen verwendet hat.

Wenn es in einem Dojo keine Regeln gibt, ist es schwierig zu entscheiden, was richtig ist und was nicht richtig ist. Die Regeln sind wie die Gebote geschaffen worden, ausgehend von Irrtümern. Anfangs braucht man keine Regeln, nur ein paar grundlegende Regeln, um zu klären, wie man geht, ob man links oder rechts ins Dojo geht, wie man sich im Dojo bewegt. Das ist nötig, doch sonst sind Regeln nicht besonders notwendig.

Aber ab einem bestimmten Zeitpunkt wird man sich aufgrund der Praxis bewusst, dass bestimmte Verhaltensweisen, die sich im Dojo entwickelt haben, die Praxis stören. Dann stellt man eine Regel auf. Wenn z.B. jemand völlig betrunken ins Dojo kommt, stört das natürlich die anderen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat man gar nicht daran gedacht zu schreiben: „Man darf nicht betrunken ins Dojo gehen.“ In dem Augenblick, wo jemand das gemacht hat, machte man eine Regel, die es verhindert.

Die nächste Regel heißt z.B.: „Man soll keine Gäste ins Dojo einladen und auch nicht in die Umgebung des Dojos.“ Als ich das gelesen habe, habe ich sofort gedacht: Bestimmt waren, als Dogen sein neues Dojo eingeweiht hat, einige seiner Schüler so froh, dass es dieses Dojo gab, dass sie Bekannte eingeladen haben: 'Ach kommt doch mal, ich zeig euch das Dojo.’ Das hat natürlich gestört. Er hat dann die Regel gemacht: 'Man darf niemanden einladen.’ Man darf keine Gäste ins Dojo bringen, außer sie wollen wirklich praktizieren und den Regeln folgen. Dann können sie natürlich ins Dojo kommen. Dies ist die nächste Regel geworden.

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Im Workshop hat eine Person kritisiert, dass beim Rausgehen nach dem Zazen viele sehr rücksichtslos wären. Das hätte sie ein bisschen schockiert. Wie geht man aus dem Dojo raus und wie können wir das optimieren?

Das erste ist, dass man im Dojo nicht sprechen sollte. Häufig ist es so, dass die Leute im Dojo sofort zu sprechen beginnen, wenn die Glocke erklungen ist, und nicht warten, bis sie das Dojo verlassen haben.
Nach dem Ende von Zazen steht man ruhig auf und geht ruhig hinaus ohne zu sprechen. Man schubst die Leute nicht zur Seite, um schneller raus zu kommen. Es ist nicht erforderlich, schnell zu sein. Es ist wichtig, einige Minuten nach Zazen ruhig zu bleiben.

Ansonsten steht es außerhalb von Zazen jedem frei, sich so zu verhalten, wie er es möchte. Auf Zazen folgt eine Pause. Wir wollen nicht jeden Augenblick regeln. Es ist wichtig, auch dann konzentriert bleiben zu können, wenn es keine Regel mehr gibt. Es bedarf der Regeln, um die Praxis im Dojo zu schützen. Aber ich habe es immer für übertrieben gehalten, den Alltag völlig regeln zu wollen. Denn was machen die Leute, die sich Regeln unterwerfen, weil sie verpflichtet sind, ihnen zu folgen, wenn sie das Sesshin verlassen, wenn sie sich in einer Welt wieder finden, die chaotisch ist?

Ich glaube, dass man es vermeiden sollte, wenn man das Dojo verlassen hat, sich zu sehr aufzuregen und Lärm zu machen. Aber man sollte von seinem eigenen Bewusstsein, seiner eigenen Konzentration gelenkt werden. Und es ist auch gut, mit den anderen in Kontakt treten zu können und nicht mit Scheuklappen, mit einer zu engen Konzentration bleiben zu wollen.

Auch auf die anderen aufmerksam zu sein und Umgang mit ihnen zu haben, ist wichtig. Die Praxis der Konzentration bedeutet nicht nur, auf seine Praxis konzentriert zu sein, sondern auch achtsam auf andere zu sein. Achtsam auf andere zu sein, kann auch heißen, die anderen in Ruhe zu lassen. Wenn man sich bewusst wird, dass jemand in Stille allein sein möchte, ist es nicht erforderlich, mit ihm sprechen zu wollen. Das muss man fühlen und respektieren. Es gibt viele Leute, die unsere Sangha mögen und in dieser Sangha bleiben, weil ihnen dieser natürlich, freundliche Kontakt gefällt, den sie nicht in anderen Gruppen finden, wo man zu rigide ist.

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Die Praxis von Zazen führt nicht zwangsläufig zu einem weiten Geist, auch in Dojos kann es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Man ist nicht kompromissfähig. Was denkst du, was da schief läuft?

Es ist wichtig, die Sichtweise der anderen zu verstehen. Die Menschen, die in ein Dojo kommen, sind aufrechte Menschen, die den Weg suchen. Sonst hätten sie keinen Grund, dahin zu gehen. Wenn die Leute unterschiedlicher Auffassung sind, dann nicht, weil sie schlecht sind oder Macht haben wollen, sondern weil sie fest davon überzeugt sind, dass sie Recht haben. Das ist der Grund, weshalb gerade Religionsmitglieder viele Konflikte auslösen. Das sind Leute, die eine feste Überzeugung haben. Wenn man sehr von etwas überzeugt ist, neigt man dazu, einer anderen Sichtweise nicht zuzuhören. Es ist gut, seine eigene Sichtweise in Klammern setzen zu können und die Sichtweise des andern zu übernehmen. Aber am Schluss muss man natürlich eine Entscheidung treffen. Denn in einem Dojo kann es nicht 36 verschiedene Methoden geben, etwas zu machen. Man muss eine Methode haben. Also muss man irgendwann übereinstimmen.

Ich glaube, dass es einfacher ist, zu einer Übereinstimmung zu kommen, wenn man zuvor aufrichtig den unterschiedlichen Meinungen der Leute zugehört und sich bemüht hat, eine Übereinstimmung zu finden. Du sprichst von Kompromiss, so kann man es nennen, aber es geht darum, eine Lösung zu finden, die richtig ist. Das bedeutet nicht unbedingt, die gegensätzlichen Auffassungen zu mischen und dann die Mitte zu nehmen. Lauwarm ist nicht unbedingt der richtige Weg zwischen kalt und warm.

Ein Dojo muss von jemandem geführt werden, der mehr Weisheit und mehr Erfahrung hat als andere. Daher kann er den richtigen Sichtsweisen den Vorzug geben. Aber nur, nachdem er alle gehört, eine Synthese gemacht und gesehen hat, was wirklich wichtig ist. Und natürlich auch, indem er sich auf die Unterweisung bezieht, nicht nur auf sein eigenes Ego, darauf, was er für besser hält. Die Unterweisung steht in der Tradition.
Ich frage mich z.B. oft: „Was hätte Meister Deshimaru in dieser Situation gemacht?“ Ich lese die Unterweisungen anderer Meister, z.B. die von Dogen, und lese, dass er unter diesen und jenen Umständen eine bestimte Entscheidung getroffen hat.

Versuche nicht, den anderen eine Meinung aufzuzwingen, indem du sagst: „Ich bin der Chef! Ihr müsst mir folgen!“, sondern indem du sie von dem überzeugst, was richtig ist, indem du ihren Einwänden zuhörst und die richtige Weise erklärst.


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