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GELÜBDE
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Das scheint ein völlig unrealisierbares Gelübde zu sein. Viele Leute sagen sehr aufrichtig: „Wenn ich mit diesem Gelübde anfangen muß, kann ich nie Bodhisattva sein.“ Aber man muss sehen, daß dieses Gelübde nicht etwas Willensmäßiges ist, etwas Verstandesmäßiges. Sondern es ist der Geist des Mitgefühls, der ausgehend von Zazen erscheint, der veranlaßt, daß man sich nichts anderes wünscht. Wenn man wirklich mit Zazen verbunden ist, wenn man sich durch Zazen mit allen Lebewesen verbunden fühlt, möchte man diese Praxis des Erwachens, dieses Zazen, mit den anderen teilen. Gleichzeitig wird man sehr empfänglich für das Leid, für unser eigenes und das der anderen. Helfen zu wollen wird eine ganz natürliche Sache. Durch unsere eigene Erfahrung können wir uns bewußt werden, daß unser Willen zu helfen begrenzt ist. Im Grunde helfen wir durch das, was wir sind. Und wir sind das, was wir praktizieren. Die beste Art zu helfen besteht darin, sich auf die Praxis zu konzentrieren. Das hilft und ermutigt die anderen, es auch so zu machen. Dies gibt den anderen die Gelegenheit, auch zu praktizieren. Letztlich bin nicht ich es, der die Lebewesen rettet, sondern die Praxis von Zazen, mit der ich lebe. Das ist der Grund warum Meister Deshimaru, als er die Gelübde übermittelte, sagte, daß alle Gelübde in der Praxis von Zazen enthalten seien. Das heißt nicht, daß wir nur Zazen machen und keine anderen Mittel finden sollen, um anderen zu helfen. Ein Bodhisattva muß die Weisheit haben, alle möglichen Mittel zu schaffen, um anderen zu helfen. Die Quelle dieser Mittel besteht darin, immer mit Zazen verbunden zu sein. Denn sonst ist Hilfe immer begrenzt. Letztlich ist es nicht mehr wichtig, daß man selber anderen hilft. Sonst wird die Person abhängig von einem selbst, der hilft. Die wichtigste Hilfe ist es, die Leute frei zu machen, sie in die Lage zu bringen, sich selbst zu helfen. Es handelt sich nicht darum, daß sie abhängig werden von meiner Hilfe, sondern daß sie die Quelle finden, um sich selbst helfen zu können. Die beste Art dies zu tun ist, sie in Kontakt mit Zazen zu bringen. ----- Nehmen wir nicht den Mund ein bisschen voll, wenn wir rezitieren, dass wir geloben, alle Wesen zu retten? Das hängt davon ab, mit welchem Geisteszustand man dieses Gelübde ablegt. In Wirklichkeit ist es das schönste Gelübde, das man ablegen kann. Aber wenn man glaubt, mit seinem eigenen Ego sei man in der Lage, allen Wesen zu retten, ist das eine Illusion. Man kann dieses Gelübde nur ablegen, wenn man darauf vertraut, dass in Wirklichkeit alle Wesen schon gerettet sind. Alle Wesen haben bereits die Natur des Erwachens. Ihnen fehlt nur, es zu erkennen und zu verwirklichen. Sie können es nicht ohne die Hilfe von anderen verwirklichen. Die Hilfe, die man den Wesen bringen kann, um ihnen zu ermöglichen, zu erwachen und sich von ihren Illusionen zu befreien, ist, sie auf ihrem Weg zu begleiten, ihnen die Möglichkeit zu praktizieren zu zeigen. Die Praxis wird sie retten, nicht ich. Ich kann niemanden retten. Aber ich kann die rechte Praxis zeigen, die die Person vielleicht retten kann. Die rechte Praxis kann eine Person erwecken, weil sie die Person in Kontakt mit ihrer wahren Natur bringt. Wir haben alle die Buddha-Natur. Sie ist es, die die Wesen rettet. Aber sie ist mehr oder weniger von allen Arten von Illusionen verdeckt. Um sie aufzudecken, muss man praktizieren. Um zu praktizieren, muss man darauf vertrauen, dass die Praxis uns befreien kann. Dafür brauchen wir jemanden, der uns ermutigt, der uns den Weg zeigt. Das ist das Gelübde der Bodhisattvas, da kann man handeln, den Weg zeigen. Läuft das nicht auf Missionieren hinaus? Du denkst an die katholischen Missionare, die die afrikanischen Urvölker missionieren wollten. Wenn man den Weg Buddhas praktiziert, hat man nicht diesen missionarischen Geist. Man begnügt sich damit, kund zu tun, dass der Weg existiert, und ihn zu zeigen, damit die Leute, die den Weg suchen, ihn finden können. Wir gehen nicht auf die Leute zu, zerren an ihnen und sagen: „Ihr müsst unbedingt Zazen praktizieren.“ Aber man kann ihnen sagen: „Da gibt es eine Praxis, die heißt Zazen. Wenn ihr die praktiziert, kann euch das helfen.“ Der Fehler der Missionare war, dass sie gleichzeitig
alle auf eine sehr dogmatische Weise überzeugen wollten. Aber ein
Bodhisattva handelt nicht so. Er muss aufmerksam auf die Situation einer
jeden Person achten. Man kann Menschen nicht immer helfen. Aber wenn der
richtige Moment da ist, in dem er einer Person helfen kann, der Moment,
in dem sie sich helfen lässt, dann hilft der Bodhisattva. Man braucht
Intuition und Beobachtung, um zu sehen, wann eine Person in einer Situation
ist, in der man ihr den Weg zeigen kann. In der heutige Zeit sind die
meisten Leute gar nicht bereit, Zazen zu machen. Wenn man sagen würde:
„Ihr müsst Zazen machen!“, würden sie sagen: „Du
gehst mir auf den Keks! Was soll ich damit?“ - Man muss den richtigen
Moment finden.
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