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GOTT
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Ich bin davon überzeugt, im Zazen einen agnostischen spirituellen Weg gefunden zu haben. Ich habe aber den Eindruck, ab und zu werden Buddha und Gott gleichgesetzt. Manchmal benutzte Meister Deshimaru den gleichen Begriff. Er sagte „Gott oder Buddha“. Im Zen hat man einen weiten Geist. Der Buddha-Geist ist sehr weit, er umfaßt Gott. Gläubige Christen haben oft Schwierigkeiten, Buddha zu umfassen. Im Zen ist man nicht exklusiv. Meister Deshimaru sagte oft: „Wenn ihr Zazen macht, werdet ihr Gott, werdet ihr Buddha.“ Damit wollte er zum Ausdruck bringen, daß man die höchste Dimension der menschlichen Existenz realisiert, die Dimension jenseits menschlicher Begriffe. Das widerspricht nicht deinem agnostischen Geist, denn er sagte nicht, was Gott oder Buddha sei. Man kann nicht sagen, was Gott oder Buddha ist: Wenn Gott oder Buddha Konzepte werden, sind sie nicht mehr Gott oder Buddha. Was man sagen kann, ist, daß sie das Nicht-Greifbare, das Nicht-Kennbare sind. Buddha hat Gott nicht negiert. Er hat nur gesagt, daß man auf Fragen nach Gott und der Schöpfung nicht antworten kann. Deshalb wollte er diesbezüglich nicht unterweisen. Aber er unterwies eine Praxis, die Praxis von Zazen. Diese Zazen-Praxis öffnet unseren Geist für eine Dimension des Lebens, die vollständig jenseits unseres kleinen Egos liegt. Gläubige nennen das oft Gott.
----- Ich habe begonnen, mich für das Herzsutra zu interessieren. Es ist ein interessantes Sutra, weil es eine Zusammenfassung buddhistischer Weisheit enthält. Es gibt insbesondere den Begriff ‚Ku’, Leerheit, als tiefste Wirklichkeit. Die monotheistische Religionen stellen an die Stelle der tiefsten Wahrheit die Existenz Gottes. Bis zu welchem Punkt kann man eine Beziehung zwischen Gott und der Leerheit herstellen? Die Beziehung ist offenkundig. Gott ist nichts, das man erfassen kann, weil er jenseits jeden menschlichen Gedanken ist. Jedes Mal, wenn die Theologie einen Versuch unternommen hat, Gott zu definieren, hat sie ihn nur reduziert. Mit unserem Geist schrumpfen wir Gott ein. Wir wollen, dass er in unsere Kategorien passt, während er in Wirklichkeit genau das ist, was jenseits jeden Gedankens ist. Im Buddhismus nennt man das Leerheit. Um uns davon zu lösen, das zu erfassen, was es ist, und das Geheimnis zu bewahren, den nicht fassbaren Charakter, völlig jenseits unserer mentalen Kategorien. Das ist auch der Grund dafür, warum eine ganze Reihe kontemplativer Christen Zazen praktizieren. Zazen ist die Praxis, die es ihnen ermöglicht, besser in Vertrautheit mit diesem Gott zu sein, der nicht fassbar ist. Leerheit also ein anderer Name für Gott? Ja, wenn du möchtest. - Ich denke so. Aber natürlich
haben die Menschen unterschiedliche Ideen von Gott. Die Moslems, insbesondere
die Sufis, haben von 99 Namen Gottes gesprochen. Jeder hat seine Sicht
und seine Vorstellung von Gott. Daher kann man ihn auf völlig unterschiedliche
Weise benennen. Aber es gibt einen Namen, den man nicht aussprechen kann,
und um zu vermeiden, diesen Namen auszusprechen, spricht man von Leerheit.
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