![]() |
BuddhaWeg-Sangha Mitglied der Association Bouddhiste Zen d'Europe Mitglied der Deutschen Buddhistischen Union |
|
Orte der Praxis Buchenwald-Sesshin Pressespiegel
|
KÖRPER
|
Die kürzeste Antwort wäre
sicherlich ein Schlag mit dem Stock. Aber ich stelle die Frage trotzdem:
Was ist der Körper?
Weißt du nicht was dein Körper ist, fühlst du ihn nicht? Schon, aber ich möchte wissen, wie man die Sachen interpretiert, die er uns sagt, zum Beispiel Schmerzen. Welche Frage hast du? Welche Frage stellst du dir wirklich? Was ist der Körper? Ich glaube nicht, dass das deine Frage ist. Wie soll ich mit Schmerzen umgehen? In der Zazen-Praxis verspüren alle Leute Schmerzen, vor allem während eines Sesshins. Das scheint ein Widerspruch zu sein, weil man sagt, dass der Buddhaweg der Weg zur Lösung des Leidens ist. Dann sagt man sich: „Vielleicht muss man leiden, um nicht mehr zu leiden.“ Das scheint paradox. Eigentlich ist es nicht so paradox. Denn wir suchen nicht das Leiden und unterwerfen uns nicht einer schmerzhaften Praxis als einer Art Reinigung. Wir praktizieren Zazen, weil es die beste und stabilste Haltung ist. Für die Menschen aus der westlichen Welt, die nicht daran gewöhnt sind, auf dem Boden zu sitzen, ist die Haltung manchmal schmerzhaft, vor allem, wenn man länger sitzt. Auch wenn wir diesen Schmerz nicht suchen und er nicht Ziel unserer Praxis ist, kann man in gewisser Weise sagen, dass er sich während Zazen als Chance bietet. Sinn unserer Praxis ist es, das Leid zu lösen, wenn es da ist. Wie verhält sich unser Geist dem Schmerz gegenüber? Wie gehen wir damit um? Wenn wir zum Beispiel im Alltag jede Menge moralische und körperliche Leiden erleben, uns dann in Zazen setzen würden und alles liefe prima, wenn wir in Zazen sitzend nichts mehr spüren würden und in einem Zustand ohne Schmerzen, ohne Empfindung, ohne Wahrnehmung wären, dann würde uns Zazen überhaupt nichts lehren. Es wäre nur eine bequeme, angenehme Angelegenheit; man würde regelmäßig zur Zazen-Praxis zurückkehren, weil wenigstens in diesem Moment kein Leiden mehr da wäre. Es wäre sicherlich so ähnlich, als würde man eine Droge wie Morphium einnehmen. Man hätte etwas gefunden, das ganz plötzlich Leiden und Schmerzen auslöscht. Aber es löscht nicht den Grund des Leidens. In unserer Praxis geht es nicht nur darum, das Leiden zu lösen, sondern den Grund des Leidens. Man kann natürlich den Schmerz an sich nicht abschaffen, aber das Leiden. Das ist ein Unterschied. Schmerz ist unausweichlich, sobald man einen Körper hat. Der Körper hat Nerven und manchmal verspürt man Schmerzen. Das gehört dazu, nicht nur in Zazen, sondern auch, wenn man müde oder krank ist, wenn man sich zu sehr anstrengt. Einfach durch die Tatsache, dass man einen Körper und Empfindungen hat, ist man Schmerzen ausgesetzt. Der Zweck des Buddha-Wegs ist nicht, Schmerzen abzuschaffen, sondern das Leiden in Bezug auf Schmerzen zu lösen. Leiden ist unsere Reaktion auf Schmerz. Genau diese Reaktion der Ablehnung, der Feindseligkeit, der Verspannung, diese ablehnende, feindliche Haltung dem Schmerz gegenüber, dieser Hass auf den Schmerz führt dazu, dass ein einfacher Schmerz im Knie oder im Rücken sich zu etwas Dramatischem entwickelt, zum Leiden. Es kann auch dazu kommen, dass man Zazen ablehnt oder den Godo der einen dazu bringt, sitzen zu bleiben. Es gibt alle möglichen Reaktionen. Aber gerade diese Momente können dazu führen, dass man sein eigenes Ego besser versteht, besser versteht, wie es funktioniert, wie es etwas Angenehmes möchte oder etwas ablehnt, was nicht angenehm ist. Deswegen transmigriert das Karma. Dem hinterherzulaufen, was man liebt, und vor dem zu fliehen, was man nicht liebt, nimmt kein Ende. Die Praxis von Zazen heißt zu lernen, zentriert und heiter zu sein, ob man sich nun gut und glücklich fühlt oder aber Schmerzen, Verspannungen oder Müdigkeit empfindet. All diese Zustände einfach durchqueren, indem man am besten auf die Atmung konzentriert bleibt, mit dem atmet, was geschieht, und die Funktionsweise des Geistes beobacht. Sehen wie mentale Spannungen auftauchen und Aggressivität, Depressionen und Entmutigung entstehen. Es einfach betrachten und vorbei ziehen lassen. Sich mit diesen negativen Emotionen nicht identifizieren, sie aber auch nicht ablehnen, sonst wird alles noch komplizierter. Wenn man bereits einen körperlichen Schmerz hat, revoltiert man dagegen und fühlt sich anschließend schuldig, weil man revoltiert. Dann gibt es keine Ende mehr, das häuft sich an. Zazen dagegen baut diese Spirale von Prozessen ab. Nicht etwas hinzufügen,
sondern etwas davon wegnehmen. Und plötzlich wird es eine große
Unterweisung für das Leben. Meister Deshimaru nannte es „das
Entdramatisieren des Schmerzes“. Das ist die grundlegende Unterweisung
Buddhas: entdramatisieren. Unser Ego dramatisiert gern und fügt
etwas hinzu. Im Zazen lernt man, dass an einer kleinen Sache überhaupt
nichts ist. Man geht einen Schritt zurück.
|
| Kontakt | Home | Juristischer Hinweis |