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LEERHEIT

 

 

Du hast gesagt, daß die Gedanken aus der Leere kommen. Aber wenn die Leere Leere ist, wie können dann Gedanken aus ihr kommen?

Weil die Leerheit nicht Leerheit ist. Die Leerheit ist nicht das Nichts. Leerheit bedeutet wechselseitige Abhängigkeit. D.h., daß unsere Gedanken uns nicht gehören. Sie sind Resultate verschiedener Einflüsse, und deshalb ändern sie sich auch ständig. Genau so wie alles, das uns ausmacht, nicht uns gehört. Unsere ganze Existenz ist nichts anderes als Beziehung zum Universum. Wenn man von Leerheit spricht, dann spricht man von der Abwesenheit von Substanz.

Wenn man das realisiert, gibt man den Gedanken, die auftauchen, wesentlich weniger Bedeutung. Man identifiziert sich nicht mit ihnen. Man läßt sie vorüberziehen. Dann verschwinden sie. Man kann sagen, sie kehren dahin zurück, wo sie hergekommen sind. Sie sind aus dem Kosmos erschienen, aus unserer Abhängigkeitsbeziehung zum Kosmos. Aber im ganzen Kosmos verschwindet nichts und taucht nichts auf, sondern alle Dinge ziehen nur vorüber. So wie eine Welle: Sie formt sich auf dem Meer, weil es einen Windstoß gab oder weil in der Ferne ein Schiff vorbeifuhr. Die Welle breitet sich aus und kommt am Ufer an, und dann geht sie zurück. Genau so ist es mit den Gedanken. Wo ist die Welle hergekommen und wo ist die Welle hingegangen? Natürlich hat sie eine Existenz, wir haben ihre Form gesehen. - Wenn du surfst, kannst du sogar auf der Welle reiten. - Die Welle ist etwas, die Welle ist keine Leerheit, aber diese Form hat sich entwickelt. Dann ist sie wieder zu ihrem Ursprung, zu ihrer Ganzheit, zum Ozean zurückgegangen. Das ist nicht nichts.

In einem Augenblick erscheint aus der Totalität heraus ein Phänomen, eine Form, und dann kehrt es zurück. Beim Zazen braucht man sich nicht Gedanken zu machen, woher der Gedanke kommt. Wenn ich z.B. sage ‘Laßt eure Gedanken zu ihrem Ursprung zurückkehren’, geht es einzig und allein darum, daß ihr sie nicht hin und her wälzt. Denn wenn du anfängst, über den Ursprung deiner Gedanken nachzudenken, wenn du die Bilder zu ernst nimmst und anfängst, die Metaphern auseinanderzunehmen, wirst du kompliziert. Das ist nicht nötig.

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Du hast gesagt, dass einem die Buddhas nicht mehr helfen können, wenn man sich an der Leerheit festhält. Wie kann man sich an der Leerheit festhalten?

Das heißt, wenn man sich an eine bestimmte Vorstellung, an ein bestimmtes Konzept von Leerheit klammert. Wirkliche Leerheit ist etwas, an das man sich nicht klammern kann. Aber sobald man sich eine Idee von Leerheit macht, läuft man Gefahr, sich an ein Konzept zu klammern, indem man aus der Leerheit ein Konzept macht. Das gleiche gilt für alle Aussagen. Das ist das gleiche, was ich eben Kusen gesagt habe. Wenn man etwas bekräftigt, etwas aussagt, dann existiert auch etwas, das man nicht bekräftigen kann. Sich an die Leerheit zu klammern, bedeutet zu sagen: „Alles ist Leerheit“ - und nur die Seite der Leerheit zu sehen. Aber in Wirklichkeit gibt es keine Leerheit ohne Erscheinungsformen. Leerheit alleine existiert nicht. Man kann also nicht allein die Leerheit bekräftigen.


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