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Roland Rech:

Die Ungeduld Buddhas

 

Muss man eigentlich wirklich immer geduldig sein?

Ich glaube, Buddha war in der Tiefe von einer unglaublichen Ungeduld bezüglich des Leidens und der Leidensursachen angetrieben. Diese Ungeduld hat ihm die Energie gegeben, nicht von seiner grundlegenden Frage abzugehen. Die Begegnung mit Alter, Krankheit und Tod hat ihn so ungeduldig gemacht, dass er sofort Frau und Kind verlassen hat und sich wie ein Dieb mitten in der Nacht davon gemacht hat. Das ist die Ungeduld, den Weg zu realisieren.

In der Welt gibt es soviel Leid, dass man keinen Augenblick verlieren sollte, an der Lösung dieses Leidens zu arbeiten. Deshalb hat Buddha während sechs Jahre hat Tag und Nacht praktiziert. Er hat die Wirklichkeit, so wie sie ist, nicht akzeptiert. Er hat das Leiden nicht ertragen. Er hat sich gesagt: ‚"Man muss wirklich etwas tun!"

Wenn man sagt: „Man muss die Wirklichkeit akzeptieren, wie sie ist.“, muss man aufpassen, um welche Wirklichkeit es sich handelt. Muss man Geduld haben, wenn die Politik entscheidet, einen Teil der Bevölkerung zu ermorden? - Nein, diese Wirklichkeit darf man nicht akzeptieren! Ungerechtigkeit darf man nicht akzeptieren!

Wenn ihr mich sagen hört, man solle die Wirklichkeit so akzeptieren, wie sie ist, dann meine ich die Wirklichkeit der Unbeständigkeit und der Unmöglichkeit, etwas festzuhalten. Für mich ist die Wirklichkeit die Wirklichkeit, wie sie in Hannya Shingyo ausgedrückt ist: Der Bodhisattva sieht die Leerheit der fünf Skandhas, er akzeptiert diese Wirklichkeit und erwacht ausgehend von ihr.

Gerade weil die Menschen die Wirklichkeit nicht so sehen, wie sie ist, und sie nicht so akzeptieren, wie sie ist, begehen sie alle möglichen Fehler und Verbrechen, und fügen dem Leid weiteres Leid hinzu. Dagegen kämpft ein Bodhisattva. Da hat er keine Geduld.

 


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